Gewalt gegen einen Fußballschiedsrichter aus dem FLVW Kreis Arnsberg in einem D-Liga-Spiel

Auf ein paar Gedanken:

Bislang konnten wir zurückblickend sagen, dass im FLVW Kreis Arnsberg die körperliche Gewalt gegen Fußballschiedsrichter doch seit Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Leider bis zum letzten Sonntag.

Was ist geschehen? In der 90. Minute gab es einen Foulelfmeter gegen den Gastverein. Nach Protesten konnte der Strafstoß ausgeführt und verwandelt werden. Ein Spieler war noch immer nicht mit der Entscheidung des Schiedsrichters einverstanden und bezeichnete ihn als Esel. Den dann wegen Beleidigung ausgesprochenen totalen FW nahm er nach Rückfrage (warum der Feldverweis) erst hin und verließ den Platz, um nach den Abpfiff noch einmal mit dem Schiedsrichter über den Strafstoß diskutieren zu wollen. Als der SR noch einmal den Strafstoß begründete („Ich habe ein Foulspiel gesehen“), schlug der 26-jährige Spieler den Schiedsrichter ohne Vorwarnung und ohne das Jemand es verhindern konnte, mit der Faust ins Gesicht. Nach ärztlichem Gutachten erlitt der SR ein Hämatom an der linken Oberlippe, eine Nasenbeinprellung und eine leichte Schädelprellung.

Zur Person des Schiedsrichters:
Fast 18 Jahre; ein absolut guter Fußballnachwuchsschiedsrichter, der aufgrund seines Talents und Auftretens vom KSA gefördert wird und sicherlich seinen Weg als Fußballschiedsrichter auch in höheren Ligen machen könnte. Und jetzt? Tätigkeit als Fußballschiedsrichter beendet?

Als wir im Kreisschiedsrichterausschuss / Kreisvorstand von dem Vorfall hörten, waren wir geschockt. Was ist zu tun? Kann man überhaupt etwas tun, wenn Jemand ohne Vorwarnung zuschlägt? Sicherlich nicht. Aber: Haben wir nicht auch eine große Verantwortung für unsere Schiedsrichter, solche Vorgänge – wenn es überhaupt geht – wenigstens zu minimieren? Aber wie? Keine Schiedsrichter mehr zu Vereinen ansetzen, die durch Vorfälle dieser Art oder ähnlicher Art (Bedrohung; Beleidigungen usw.) aufgefallen sind? Geht nicht, weil es nicht möglich ist und ungerecht wäre, Kollektivstrafen gegen Mannschaften / Vereine zu verhängen und natürlich auch die Gegner solcher Vereine durch die Maßnahmen bestraft. Aber was können wir dann machen? Sprichwörtlich wegducken und hoffen, dieser Schlag gegen den Schiedsrichter war eine Ausnahme, weil es bei uns im Kreis „so lange gut ging“? Oder sollte man die ehrenamtliche Arbeit beenden, weil man dann mit solchen Problemen nichts mehr zu tun hat und doch nichts mehr ändern kann? Sicherlich der schlechteste Weg, zu resignieren.

Wir von den Verantwortlichen im FLVW Kreis Arnsberg denken uns, dass wir einfach ALLE gefordert sind. Wir müssen versuchen, einen Neubeginn im Umgang miteinander zu finden, damit Tätlichkeiten, Beleidigungen usw. aufhören.

• Bei den Vereinen: Die Vereinsverantwortlichen sollten sich mal die Spiele ihrer Mannschaften ansehen. Ist wirklich der Trainer ein Vorbild? Wie sieht es bei den Spielern aus? Kann man ggf. Einfluss nehmen, wenn sich was aufbaut?
• Es beginnt bei den Spielern untereinander. Stachelt euch nicht auf, in Beleidigungen gegenüber Gegenspieler / Schiedsrichter zu übertreffen. Muss es sein, dass die Fäkaliensprache Einzug hält?
• Ein guter Spielführer mit Persönlichkeit in der Mannschaft ist sicherlich wichtig.
• Es geht dann zu den Trainern in den Vereinen. Ihr kennt die Spieler. Ihr wisst als Erster, wo Spannungen abgebaut werden können. Leider ist es aber zurzeit oft gegeben, dass die Trainer (auch im Jugendbereich), Spannungen durch Kritiken an den Schiedsrichtern; an den eigenen Spielern und beim Gast bei den Spielen aufbauen. Vielfach herrscht ein Umgangston von den Trainern ausgehend, der erschreckend ist. Innenraumverweise durch die Schiedsrichter sind oft die Folge. Als Trainer sollte man bedenken: In den Jugendspielen leiten viele 14-16-jährige Schiedsrichter. Sie sind in der Lernphase, gute Schiedsrichter zu werden. Dennoch werden sie häufig massiv kritisiert (von Spielern; Trainern / Betreuern und Eltern/Zuschauern). Was verlangt man von den Schiedsrichtern? Bundesliganiveau?
Es gibt eine Alternative: Man rechnet Schiedsrichter erst dem Verein an, wenn sie 16 Jahre alt sind und setzt keine Schiedsrichter mehr zu den Jugendspielen an. Konsequenz: Der Verein zahlt ein Vielfaches an Ordnungsgeldern wegen fehlender Schiedsrichter und die Vereine müssen einen Betreuer als Schiedsrichter abstellen. Ist dann Ruhe? Wir finden: Keine Alternative.
• Die Sportgerichtsbarkeit ist gefordert: Bei Verfehlungen liegen Strafmöglichkeiten vor, die auch genutzt werden müssen. Die neue Rechts- und Verfahrensordnung hat die Möglichkeiten geschaffen.
• Aber auch der Fußballschiedsrichterbereich ist gefordert. Wir versuchen durch viele Fortbildungen – gerade unsere jüngeren Schiedsrichter – fit zu machen. Sie sollen Regelsicher sein und Sportlich den Anforderungen gewachsen sein. An ihrer Persönlichkeit wird gearbeitet.
• Der KSA hat sich immer bereit erklärt, berechtigten Kritiken an Schiedsrichtern nachzugehen. Da stehen die KSA-Mitglieder den Vereinen; Trainern usw. für Kritiken; Anregungen zur Verfügung.

Man sagt ja, dass auch der Fußballbereich ein Spiegelbild der Gesellschaft ist. Nur die, die durch ihr absolutes Fehlverhalten (Körperverletzungen; Beleidigungen) uns das Hobby kaputt machen wollen, haben bei der Ausübung dieses Hobbys nichts verloren. Gehen wir es gemeinsam an.

Übrigens:
Noch hat der Fußballschiedsrichter sich nicht von seinem Hobby abbringen lassen. Er will weiter als Fußballschiedsrichter agieren.